„Das Portal“: Prolog – Einleitung

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Prolog

Tief in der Unendlichkeit des Weltraums:
Völlige Stille herrscht an diesem Ort. Gedanken würden so laut erklingen wie Meeresrauschen.

Aber es gibt hier kein Wasser, höchstens die Idee davon. Und der einzige Ozean ist das breitgefächerte, glitzernde Sternenmeer. Richten wir unsere Augen nun auf einen hellen Punkt. Eine Sonne spendet einem Planeten ihr Licht.
Wir befinden uns im Mittelpunkt des Universums, an einer Stelle, in der Wirklichkeit und Fantasie aufeinandertreffen. Es ist zwar technisch gesehen unmöglich, das Zentrum von etwas zu ermitteln, das unendlich groß ist, doch das hindert ihn nicht daran, zu existieren.

Hier herrschen andere Naturgesetze als im restlichen Universum. Überall im All gründen Lebensformen ihre Zivilisationen auf dem Grundstein der Philosophie, der Physik oder etwas anderem, das sie für ziemlich fortgeschritten halten. Sie schwören auf Gesetze wie Schwerkraft, die Relativitätstheorie oder die Schlange im Supermarkt. Jeder weiß: Sobald man sich an das Ende dieser aus vierzig Einkaufswagen stellt, wird sich niemand mehr hinter einem anstellen, bis man an der Kasse angelangt ist. Und überall im All wären dies auch Gesetze, auf die es sich zu schwören lohnt.

Doch hier gibt es andere Gegebenheiten.
Aus einer Laune der Natur und wegen einer bizarren Krümmung der Raum-Zeit befinden sich der Mittelpunkt und das Ende des Universums an der gleichen Stelle. Und sowohl am einen als auch am anderen Ende entstand im Laufe der Jahrmillionen ein Planet.
Der eine von ihnen trägt den Namen Lithios. Von einer hellen, jungen Sonne beschienen, rotiert er um die eigene Achse, ohne jemals seinen Platz zu verlassen. Die Personen, die auf ihm leben, gaben ihm, sofern sie einer Sprache mächtig waren, den Beinamen Lichtwelt.

Der andere Planet – an der gleichen Stelle zwar, doch trotzdem eine Unendlichkeit weit entfernt – existiert so lange wie die Zeit selbst, im Herzen des Universums. Eine sterbende Sonne hüllt ihn in ein düsteres, bösartiges Licht. Dunkelheit reckt lechzend die Finger nach ihm und zerrt an dessen Lebenskraft.
Von seinen Bewohnern erhielt er den Namen Krap, doch treffender wäre wohl der Ausdruck Schattenwelt gewesen.

Lange Zeit existierten die beiden Welten, ohne voneinander zu wissen.
Aber dennoch… nichts bleibt auf ewig verborgen, und manchmal schwappen Dinge über, die nicht dazu bestimmt sind, die andere Seite jemals zu erreichen.
Je mehr Zeit verfließt, desto mehr schwappt sie in die Welt jenseits des Portals hinüber. Man stelle sich in diesem Zusammenhang eine Badewanne vor, in die ständig neues Wasser rinnt.

Nicht alles, was zwischen Krap und Lithios wechselte, seien es Gedanken, Gefühle oder Ideen, erreichte sein Ziel. Immerhin mussten sie in Wirklichkeit eine unendlich lange Wanderung zurücklegen, um von einem Ort zu anderen zu gelangen, auch wenn die Welten theoretisch am selben Platz existierten.
Und manche von ihnen, sowohl helle als auch dunkle Gedanken blieben auf der Strecke zurück. Verloren sich, irgendwo in den Weiten zwischen den Planeten.
Langsam, aus dem Blickwinkel eines Einzelnen betrachtet dauerte es länger als eine Ewigkeit, bildete sich aus diesen Überbleibseln noch eine dritte Welt an der Stelle, an der Mittelpunkt und Ende aufeinandertrafen. Es war keine Welt wie Lithios oder Krap. Sie war nichts Besonderes. Sie bestand einfach nur.
Hätte sie überhaupt etwas sein können, so wäre sie wohl am passendsten mit dem Wort grau umschrieben worden.

Sie vereinte all das in sich, was bis in die Ewigkeit namenlos bleiben musste, da es niemanden gab, der die Gedanken empfing. Sie führte alle Gefühle zusammen, die für immer ungespürt blieben, und alle Ideen, die nie verwirklicht wurden.
Nennen wir sie der Einfachheit halber die Grenzwelt.
Etwas begann, sich auf dieser zu formen und zu leben. Jenes, es soll mangels eines besseren Ausdruckes vorerst Wesen genannt werden, fing an, einen großen Hass auf alles zu entwickeln, das auf der Licht- oder der Schattenwelt existierte.

Ihm missfiel das Leben, mehr noch als es das Helle oder die Dunkelheit verabscheute. Es war bestrebt, die Dinge selbst in die Hände zu nehmen. Dies ist der Punkt, an dem unsere Geschichte zum Portal beginnt.

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